Das Ende der Goldbindung als Beginn der unkontrollierten (Papier-)Geldvermehrung

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Quelle: Unzensuriert

Durch das Ende des Goldstandards trat das Giralgeld seinen Siegeszug an. Zum Vorteil der Finanzindustrie, aber zum Nachteil der Bevölkerung. Foto: epSos.de / Wikimedia (CC BY 2.0)

Durch das Ende des Goldstandards trat das Giralgeld seinen Siegeszug an. Zum Vorteil der Finanzindustrie, aber zum Nachteil der Bevölkerung.
Foto: epSos.de / Wikimedia (CC BY 2.0)

Mit dem von US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 beschlossenen Ende der Dollarbindung an den Wert des Goldes begann eine neue Dimension des kollektiven Betruges an der Menschheit via dem globalen Geldsystem. Seither können Zentral- wie Privat- und Staatsbanken ungehindert Geld drucken und ausgeben. Ohne Konsequenzen, ohne Rechenschaft. Zu Lasten der Gesellschaft, der Wirtschaft und auch der Umwelt. Der Siegeszug des sogenannten „Fiat-Money-Systems“ hält seither ungehindert an.

Gastkommentar von Eric Hugo Weinhandl

Theoretisch war es gar nicht Nixon, der das Ende der Dollar-Goldbindung und die Ära des Fiat-Geldes begründete. Bereits 1933 setzte der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt entsprechende Schritte, als er im Zuge der durch die Depression von 1929 bedingten Finanzkrise in den USA den privaten Goldbesitz verbot. So wurde mit der „Executive Order 6102“ per Dekret jeglicher privater Goldbesitz über einem Wert von 100 Dollar, ausgenommen Schmuck, als Illegal erklärt.

Die Bevölkerung der USA musste sämtliche Münzen, Barren und Zertifikate innerhalb von zwei Wochen an eigens eingerichteten staatlichen Annahmestellen abgegeben. Die Regierung zahlte je Unze den offiziellen Ankaufspreis von 20,67 Dollar. Wer sich von seinen Gold-Beständen nicht fristgerecht trennte, wurde enteignet und riskierte hohe Geld- und Haftstrafen.

Staatlich verordnetes Goldverbot

Die Währung der USA, und vieler anderer Länder war bis dahin mit Gold unterlegt, und die Notenbanken mussten gewährleisten, dass Banknoten stets zu einem festgelegten Kurs in Gold umgetauscht werden konnten. Das bedeutete auch, dass die Zentralbanken nicht (wie heute) beliebig viel Geld drucken konnten, wenn nicht gleichzeitig auch die Menge des Zentralbanken-Goldes anstieg (was natürlich nicht der Fall war).

Oberflächlich galt Roosevelts Plan der Konjunkturbelebung. Durch das Goldverbot wollte der Präsident die ökonomische Machtposition der USA am Weltmarkt stärken, da Staaten wie Großbritannien Außenhandelsvorteile durch die fehlende Goldbindung ihrer Währung und einer gleichzeitigen Abwertung dieser zum Dollar genossen.

Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft gehen meist schief

Indirekt wurde damit aber die Implementierung einer alternativen, goldgedeckten Währung abseits des strauchelnden Dollars verhindert. Doch wie so oft war der fundamentale staatliche Eingriff in die Wirtschaft zum Scheitern verurteilt.

Auch der 1934 eingeführte „Gold Reserve Act“ verhalf der Regierung „lediglich“ zu einer weitgehenden Enteignung der Bevölkerung, denn der Goldpreis wurde bei 35 Dollar festgesetzt. Damit Erfuhr die Währung eine massive Abwertung und hielt nur noch bei 59 Prozent des früheren Wertes. Somit begann in der Weltwirtschaft ein „Abwertungswettlauf“ der Währungen, in dessen Zuge sich immer mehr Staaten von der Goldbindung verabschiedeten. Der erste Grundstein zum Ende des Goldstandards war also gelegt.

Das Ende der Goldbindung

Trotzdem sich die Wirtschaft in den USA wieder erholte – nicht jedoch in Folge des Goldverbotes -, blieb dieses noch lang erhalten. Präsident Dwight D. Eisenhower weitete das Verbot des privaten Goldbesitzes auch auf das Ausland aus. Sämtliche Regierungen nach Roosevelt betätigten sich zudem fleißig am Instrument der Dollarabwertung. Der 1944 implementierte Bretton-Woods-Mechanismus diente lediglich dazu, sämtliche Währungen der Welt an den Dollar als Leitwährung zu binden.

1971 beendete Nixon schließlich die Goldbindung offiziell. Vordergründig um „Spekulationen gegen die USA“ und den „Ausverkauf der US-Goldreserven“ zu verhindern. Zwei Jahre nach der Trennung vom Gold wurden dann sämtliche Wechselkurse zum Dollar freigegeben.

Grundstein für ein perfides Finanzsystem der Krisen

Hintergründig wurde jedoch der Grundstein für ein perfides Finanzsystem gelegt, welches seither für eine globale Krise nach der anderen sorgt und ganze Staaten in den Ruin trieb. Im Sinne der Finanzelite wurde den Zentralbanken, allen voran der Federal Reserve Bank (FED), freie Hand zum Gelddrucken gegeben. Der US-Dollar, wie auch alle anderen Währungen, war ab diesem Zeitpunkt reine Papierwährung, die beliebig vermehrt werden konnte und keinen realen Gegenwert mehr besaß.

Seither steigen die vom Gold losgelösten Geldmengen signifikant an, ohne dass ein Wert produzierter Güter und Dienstleistungen dahinter steht. Der Wert des Dollars im Vergleich zu Gold fiel seit 1971 beispielsweise um 97 Prozent.

Die Geldschöpfung durch Banken

Seither wird das sogenannte Fiat-Geld oder auch Giralgeld benutzt, um Großkonzerne und Konglomerate der Finanzwelt unendlich reich zu machen und Staaten sowie den Großteil der Bevölkerung in enorme Abhängigkeiten zu drängen. Anders als in der offiziellen Lehre (etwa in einem Wirtschaftsstudium) gelehrt, steht nämlich hinter dem von Zentral- und Geschäftsbanken ausgegebenen und selbstgeschaffenen Geld keinerlei Wert. Dieser Betrug funktioniert aber nur, weil sich kaum ein Mensch die eigentlich essenziellen Fragen stellt: Was ist Geld überhaupt, woher kommt es und wie wird es verwendet?

Was ist Geld eigentlich, und wo kommt es her?

Heutzutage sind weniger als zehn Prozent der im Umlauf befindlichen Geldmenge auch tatsächlich physisch vorhanden (Scheine, Münzen, Zertifikate). Der Rest ist sogenanntes Buchungsgeld der Banken. Dieses Buchungsgeld ist nichts anderes als eine Zahl in einem Computer, die einen bestimmten Wert repräsentieren soll.

Durch die fehlende Goldbindung und das ungehinderte Drucken von Geld durch Zentralbanken waren Geschäftsbanken nun in der Lage, sich beliebig viel Geld von jenen Zentralbanken auszuleihen und dieses auch wieder in Form von Krediten zu vergeben. Bei der Kreditvergabe kommt nun die Giralgeldschöpfung ins Spiel.

„Giralgeld“ – Schöpfung aus dem Nichts

Lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis und als Verschwörungstheorie von Ökonomen abgetan, ist diese mittlerweile empirisch unter anderem vom renommierten Finanzwissenschaftler Dr. Richard Werner beschrieben und nachgewiesenen worden. Bei der Kreditvergabe darf die Bank nämlich fiktive Summen vergeben, welche sie selbst nicht besitzt, und wo sie dementsprechend auch keine Reserve dafür aufweisen kann.

De facto ist nämlich Giralgeld, also die Zahl auf unseren Konten, kein gesetzliches Zahlungsmittel, dennoch wird es weltweit als solches gebraucht. Banken gewähren also einen bestimmten Betrag als Kredit an einen Kreditnehmer, und dieser verspricht, später zu bezahlen. Banken verleihen kein Geld. Sie vergeben Kredite, gedeckt durch ein Rückzahlungsversprechen und die Mindestreserve.

Banke vergeben fiktive Kredite, die wir in echt zurückzahlen müssen

Beispiel: Banken können so einerseits 100 Euro verleihen, müssen aber nur einen Euro an realem Wert dahinter besitzen bzw. als Reserve halten (de facto ist die Quote durch Basel III ein wenig höher). So kommt es auch, dass Banken für jede Spareinlage das hundertfache an Geldwert vergeben können. Als für 100 Euro Spareinlage, werden 10.000 Euro an Kredit vergeben.

Das Geldsystem als riesiges Pyramidenspiel

Somit gelangt sämtliches Geld nur als Kredit, also zinsbelastet in den Wirtschaftskreislauf. Dort fehlt aber in Summe das Geld für die Zinsen, so dass man permanent weiteres Kreditgeld und ewiges Wirtschaftswachstum benötigt. Geldguthaben wird heutzutage also grundsätzlich und ausschließlich gegen eine gleichzeitig entstehende Geldschuld in gleicher Höhe einerseits durch Zentralbanken, andererseits durch Geschäftsbanken innerhalb bzw. durch die Kreditvergabe geschöpft.

Bankintern wird der Vorgang der Giralgeldschöpfung als reiner Buchungsvorgang ausgegeben. Die Bankbilanz wird einfach in Höhe des gewährten Kredits beziehungsweise des geschöpften Giralgeldes verlängert. Bankbuchhalter nennen diesen Vorgang „Bilanzverlängerung“ oder auch „Aktiv-Passiv-Mehrung“, da die Aktiva- und Passivaseite einfach angeglichen (verlängert) werden. Dieser Vorgang erhöht dadurch die nachfragewirksame Geldmenge (auch wenn Giralgeld kein Geld im engeren Sinne ist), da der Kreditnehmer sein Guthaben auf die Konten anderer Bankkunden übertragen kann, indem er z.B. Rechnungen bezahlt.

Rettungsschirme und fette Fonds trotz Wirtschaftskrise

Würden Kunden ihre Guthaben und Zahlungen nur bei einer Bank abwickeln, könnte sich die Bank theoretisch selbst, nach einem Geldschöpfungsmultiplikator, bis ins unendliche kapitalisieren. Hier finden sich auch die Antworten, woher beispielsweise Rettungsschirme, Eurorettung, ESM oder billiardenschwere Fonds indirekt ihr Kapital beziehen, trotz Schuldenkrise und ähnlichem.

Auch die deutsche Bundesbank, sowie die Bank of England, bestätigen diese Vorgänge offiziell:

Bei der Giralgeldschöpfung unterscheidet man die „aktive“ und die „passive“ Geldschöpfung der Banken. So entsteht Giralgeld durch Einzahlung von Bargeld auf Girokonten. Bei dieser „passiven“ Form der Giralgeldschöpfung ändern sich die gesamten Geldbestände der Wirtschaft (also Giralgeld in Händen der Nichtbanken plus Bargeld) nicht. Daneben ist das Bankensystem aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen. – BUNDESBANK-BROSCHÜRE: Geld und Geldpolitik, 2007, S. 59

oder:

Der Geldschöpfungsprozess erscheint damit wie Zauberei: Die Banken schöpfen anscheinend selbst Geld, ohne die Deutsche Bundesbank nötig zu haben. Einer höheren Forderung an die Nichtbanken stehen höhere Einlagen derselben gegenüber: Die Geldmenge ist gewachsen.

Die Lehren aus dem Ende der Goldbindung

Was bedeutet nun das Ende der Goldbindung und der Siegeszug des Giralgeldes für den Einzelnen und die Gesellschaft? Die ungehinderte Geldvermehrung mit einer gleichzeitigen und stetigen Erhöhung der Schuldenlast fördert mehrere Dinge. Schulden steigen ins Unendliche, die Geldmenge erhöht sich gleichzeitig ungebremst und Waren wie Dienstleistungen verlieren zusehends ihren Wert, weshalb auch Löhne sinken und Arbeitszeiten länger werden (seit den 1990er-Jahren, wird die Zahl derer, die in empfindliche Armut abgleiten, regelmäßig größer).

Destruktive Konkurrenz zwischen den Echt-Zahlern

Zudem entsteht eine destruktive Konkurrenz zwischen uns. Irgendjemand muss schließlich, um die künstlichen Zinsen zurückzahlen zu können, jemand anderem etwas dafür weg nehmen, da für den „gewöhnlichen Bürger“ die Geldmenge stets begrenzt bleibt. Es gibt also durch den lebenslangen Zwang und die Abhängigkeit, Geld zu verdienen, keine Zeit, das natürliche und individuelle Verhalten zu verbessern.

System der Macht-Akkumulation kleiner Eliten

Zum anderen stellt sich die Frage, wem Staaten und schließlich wir überhaupt Geld schulden, wenn dieses unendlich vermehrt wird? Wozu müssen dann noch Steuern eingehoben oder Strafen bezahlt werden? Dieses Mittel der neoliberalen Finanzmärkte wird jedenfalls unbestritten effektiv für den Ausbau von Macht- und Einflussbereichen einer kleinen Minderheit/Elite eingesetzt (Der größte Teil des Kapitalzuwachses seit dem Ende der Goldbindung landete nicht auf den Konten der Bürger, sondern auf denen der Geldinstitute, Fonds, etc.).

Anders ist die Kapital-Akkumulation an einigen wenigen Stellen und die gleichzeitig steigende Ungleichheit in der Gesellschaft nicht erklärbar. Das System wurde also von jenen erdacht, die nun am meisten davon profitieren.

Geld muss wieder ein Gemeingut werden

Letztlich birgt die fehlende Steuerung der Geldmenge Unsicherheiten, Instabilitäten und schwerwiegende Krisen für Wirtschaft und Gesellschaft, wie zahlreiche Finanzkrisen bereits belegten. Geld muss ein lebensverbesserndes Gemeingut sein und dessen Verwendung und Verständnis in einem gemeinschaftlichen Prozess erarbeitet werden. Zahlreiche, jedoch weitgehende unbekannte Alternativen existierten über Dekaden erfolgreich – und das lange vor dem Fiat-Money-System.

Eric Hugo Weinhandl ist Politikwissenschaftler und freier Publizist. Der Artikel erschien auf seinem libertären Blog www.konterrevolution.at

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