Post setzt ältere Mitarbeiter vor die Tür

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Quelle: Der Standard

Mit neuen Paketboxen kämpft die Post um Kundschaft. Um Vertragsbedienstete zum Abschied zu bewegen, verdoppelt sie ihren Sozialplan

Wien – Die teilstaatliche Post bringt ihren über 50-Jährigen dieser Tage spezielle Briefe: Post-Bedienstete, die sich entscheiden, ihren Arbeitsplatz bis Ende Dezember aufzugeben, bekommen die Abfertigung ordentlich aufgestockt. Laut einem Einladungsbrief an Mitarbeiter zwischen 50 und 56 Jahren, der dem STANDARD vorliegt, lockt die Post Bedienstete, die länger als zehn Jahre im Unternehmen sind, mit bis zu 45 Bruttomonatsbezügen an freiwilliger Abfertigung zuzüglich der gesetzlichen Abfertigung. Beim Übertritt in die Arbeitsstiftung kommen weitere 5.000 Euro dazu.

Eine 54-jährige Postlerin kommt auf diese Weise nach dreißigjähriger Dienstzeit auf 36 Monatsentgelte Abfertigung (zwölf sind gesetzlich vorgeschrieben) plus neun Monatsentgelte, die bis zur Pensionierung anfallen würden – zuzüglich 5.000 Euro für den Übertritt in die beim Arbeitsmarktservice 2010 eingerichtete Stiftung. Was sich die gelbe Post diesen Turbo kosten lässt, war am Donnerstag ebenso wenig zu erfahren wie die erhoffte Zahl an Dienstnehmern, die diesen „Golden Handshake“ in Anspruch nehmen. Laut Insidern werden 1.500 Mitarbeiter adressiert, 150 allein in Oberösterreich.

Filialen weg, zu viel Personal

Rationalisierungsbedarf gebe es überall im Unternehmen, die Mengenrückgänge seien evident, sagt die Post. Dem Vernehmen nach gibt es insbesondere im Filialnetz Personalüberhang, was nach Filialschließungen (wurden durch Postpartner ersetzt) auf der Hand liegt. Ob der aufgestockte Sozialplan ein Turbo für die Verabschiedung von Mitarbeitern wird, stehe in den Sternen, heißt es in der Belegschaftsvertretung, die darauf verweist, dass es sich um einen nichtzustimmungspflichtigen Anreiz handle, der allein vom Dienstgeber ausgehe und auf Freiwilligkeit beruhe. „Niemand kann und darf gezwungen werden“, sagt Zentralausschussvorsitzender Helmut Köstinger auf STANDARD-Anfrage.

Dass ausgerechnet die mehrheitlich im Staatsbesitz stehende Post ältere Arbeitnehmer aus dem Unternehmen bugsieren will, „gefällt mir auch nicht, aber das ist eine moralische Frage“, gibt sich Köstinger pragmatisch. Die Post verfügt über 91 Millionen Euro an Rückstellungen für Personalmaßnahmen; aus diesem Topf werden auch Prämien, etwa für das Weihnachtsgeschäft, bezahlt. Nicht zu verwechseln mit dem Topf für „Personalunterauslastung“ für Beamte, deren Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde. Von ihnen gibt es aktuell rund 450, die Vorsorgen wurden um 2,9 auf 187 Millionen Euro erhöht. Letzteres egalisierte sich durch Zinsanpassungen, die zu einem rechnerischen Gewinn von 5,2 Millionen Euro führten und 3,4 Millionen Euro ins Ergebnis spülten.

„Highlight“ Wiener Wahl

Apropos: Das laufende Geschäft lief – auch dank der Wiener Landtagswahl – zufriedenstellend, „die Wien-Wahl war ein Highlight“, sagte Post-Chef Georg Pölzl bei Vorlage der Neunmonatszahlen. Die Post hat im dritten Quartal mehr verdient. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg von 33,8 auf 38,7 Millionen Euro, der Umsatz von 560,8 auf 573,4 Millionen Euro. Von fünf Sorgenkindern im Ausland wurden vier (mit leichten Verlusten) verkauft. Einzig der deutsche Expresszusteller Trans-o-flex harrt noch einer Zukunftslösung.

Der Briefumsatz legte bis 30. September um 0,4 Prozent zu, das Paketgeschäft um 2,5 Prozent. Im heißumkämpften Privat-Paket will sich die Post ihre 77 Prozent Marktanteil „sicher nicht kampflos abjagen lassen“, wie Pölzl versichert. Neue Selbstbedienungsboxen in Wohnhäusern und Landabgabekästen sollen die Zustellung vereinfachen. Ab 2016 will man auch für Haushalte gesicherte Abgabefächer (für eingeschriebene Briefe und kleine Pakete) anbieten. Im noch immer tragenden Briefsektor erlaubt das soeben reformierte Postgesetz langsamere Briefzustellung (Zustellung binnen vier Tagen). Sie sind nur für Behörden und Unternehmen gedacht, die zeitunkritische Rechnungen oder Bescheide verschicken, versichert Pölzl. Der gemeine Standardbrief für Privatkunden komme auch künftig am Tag nach der Abgabe beim Postamt beim Empfänger an. (Luise Ungerboeck, 12.11.2015)

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