Erste Frau im Chefsessel des Patentamts

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Quelle: Der Standard

Gebürtige Russin tritt für Öffnung des Patentamts ein

Eigentlich sollte es ja nur ein kurzer Aufenthalt werden, als die gebürtige Russin Mariana Karepova 1990 nach Wien kam. „Ich wurde eingeladen.“ Trips wie dieser waren damals in der ehemaligen Sowjetunion aufgrund gelockerter Reisebestimmungen schon möglich.

Dass daraus ein zweites Leben für Karepova wurde, hatte mehrere Gründe. Der Besuch einer Vorlesung an der Uni Wien und die Menschen, denen sie hier begegnete: Beides erinnerte sie an Moskau, wo sie zuvor an der Staatlichen Pädagogischen Universität Slawistik und Literatur studiert hatte – und war ihr somit vertraut.

Karepova, Jahrgang 1969, studierte in Wien weiter, wechselte aber nicht nur die Stadt, sondern auch vom Sprachstudium zur Volkswirtschaft. Sie schuf sich damit wohl die Basis für ihre spätere Karriere, die 1997 in der Arbeiterkammer begann und nun in der Position der Präsidentin des Österreichischen Patentamts einen Höhepunkt findet. Im Jahr 2000 ging sie nach Brüssel zur EU, um zu jenem Team zu stoßen, das über die Aufnahme von ehemaligen kommunistischen Staaten verhandelte. „Eine spannende Phase“, sagt Karepova.

Nach der EU-Erweiterung war aber ihre Mission abgeschlossen – und das schrie nach neuen Herausforderungen. „Ich wollte zurück nach Österreich.“

Sie fand schneller als erwartet einen Job bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und war dort bis 2011 beschäftigt. Dem Thema Innovationsförderung blieb sie auch treu, als sie in weiterer Folge ins Kabinett des Verkehrsministeriums, 50-Prozent-Eigentümer der FFG, wechselte. Es war aber auch ein Schritt von der Forschungsförderung in die Mitentwicklung politischer Strategien. Da das Ministerium auch die Aufsichtsbehörde des Patentamts ist, war sie wohl mit der vom Rechnungshof beschriebenen Intransparenz unter ihrem Vorvorgänger Friedrich Rödler beschäftigt, der 2005 aus dem – damals von der FPÖ geführten – Verkehrsministerium kam und aufgrund von Gehältern für die Geschäftsführung der Patentamttochter serv.ip massiv in der Kritik stand.

Die Öffnung des Patentamts sei ihr ein Anliegen, sagt Karepova konsequenterweise. Viele Forscher hätten wenig Ahnung von Patentrechten. Dass sie die erste Frau in dieser Position in der 116 Jahre andauernden Geschichte des Hauses ist, erheitert die Mutter eines elfjährigen Buben. In Russland wäre das kein Thema. Hier waren Frauen stets in der Forschungsszene vertreten. (Peter Illetschko, 1.11.2015)

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