Nach Deutschland ruft auch Österreich VWs in die Werkstätten

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Quelle: Der Standard

Deutsches Kraftfahrt-Bundesamt lehnt freiwillige Reparatur ab, ab Anfang 2016 müssen die Fahrzeuge in die Werkstatt

Frankfurt/Wolfsburg/Washington – In der Affäre um manipulierte Dieselabgaswerte bei VW zwingt das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt den Konzern zum Rückruf aller betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätten. Auch in Österreich wird das Verkehrsministerium nachziehen, 363.400 Autos aus der Volkswagen-Konzernmarkenpalette müssen hierzulande in die Werkstätten. Konkret geht es dabei um 180.500 VW-Pkw, 24.400 VW-Nutzfahrzeuge, 72.500 Audi, 54.300 Skoda und 31.700 Seat. Porsche Österreich muss dazu die betroffenen VW-Besitzer ermitteln.

Zuvor lehnte das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt die von Volkswagen vorgeschlagene freiwillige Reparatur ab. Das Bundesamt ist für Europa die maßgebliche Behörde in Sachen VW. Will heißen: Auch Österreichs Verkehrsministerium muss eine analoge Lösung finden.

Rückruf beginnt Anfang 2016

Die Rückrufaktion sei für jeden Halter verpflichtend, sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Donnerstag. Der behördlich angeordnete Weg in die Werkstatt werde Anfang 2016 beginnen. Außerdem soll VW Fristen für eine Lösung der Probleme beim 1,6-Liter-Dieselmotor vorlegen. Das Bundesamt hat über den VW-Plan zu entscheiden.

Volkswagen hat laut Dobrindt angegeben, dass ein notwendiger Bauteil erst im September 2016 verfügbar sein wird. Der Zwangsrückruf sei wegen der großen Zahl der betroffenen Fahrzeuge nötig, um eine effektive staatliche Kontrolle zu gewährleisten. Die eingebaute Manipulationssoftware sei in allen Fahrzeugen aktiv, die Autos dürften aber in Betrieb bleiben.

Neue Software bis Oktober

Der VW-Konzern muss zudem dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt bis Ende Oktober eine erste nachgebesserte Software für die vom Abgasskandal betroffenen Dieselautos vorstellen. „Wir wollen, dass alle Fahrzeuge von der unzulässigen Abschaltvorrichtung befreit und in einen vorschriftsmäßigen Zustand versetzt werden – in jeder Hinsicht“, sagte ein Sprecher des Amtes.

Bis spätestens Ende dieses Monats soll der Autobauer die geplanten neuen Programme für die 2,0-Liter-TDI-Modelle vorstellen. Bis Ende November müssen dann Lösungen für die Diesel-Fahrzeuge mit 1,6 und 1,2 Litern Hubraum folgen. Für die 1,6-Liter-Aggregate stehe laut dem Sprecher die abschließende Lösung vermutlich erst im September 2016 zur Verfügung.

Weitere Ermittlungen in USA und Italien

Nach dem US-Justizministerium und der Umweltschutzbehörde EPA nehmen nun auch die amerikanischen Wettbewerbshüter Ermittlungen gegen VW auf. Ein Sprecher der Federal Trade Commission (FTC) sagte am Mittwoch, man werde sich bei den Untersuchungen abstimmen. Die FTC wird unter anderem bei Verdacht auf irreführende Werbung aktiv und ist auch für den Konsumentenschutz zuständig.

VW hatte Mitte September zugegeben, in den USA eine illegale Software installiert zu haben, um Dieselemissionswerte zu manipulieren. Weltweit sind bis zu elf Millionen Autos damit unterwegs. Auch einzelne US-Bundesstaaten gehen deshalb schon gegen VW vor.

Auch Italienische Behörden haben Ermittlungen gegen Manager von Volkswagen und der Sportwagen-Tochter Lamborghini eingeleitet. Es werde wegen mutmaßlichen Betrugs ermittelt, teilte Oberstaatsanwalt Mario Giulio Schinaia am Donnerstag mit. Die Italien-Zentrale des Unternehmens in Verona sowie der Hauptsitz von Lamborghini in Bologna seien durchsucht worden. Volkswagen wie Lamborghini wollten sich nicht äußern.

Volkswagen hat zugegeben, Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Weltweit sollen rund elf Millionen VW mit der Manipulationssoftware ausgerüstet sein. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen in Deutschland angeordnet. Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehnt die Behörde ab.

400 Topmanager bei VW-Krisentreffen

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller will am Donnerstagvormittag seine Führungsmannschaft auf den Kampf gegen die Folgen des Abgasskandals einschwören. Dazu versammeln sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 400 Topmanager des Konzerns bei Porsche in Leipzig.

Dort wird Müller über die Ermittlungen, die anstehenden Rückrufe und die verschärften Sparziele informieren. Nach Jahren der Feierlaune in einem Konzern auf Rekordkurs dürfte die Stimmung unter den Führungskräften diesmal angespannt sein. (APA, Reuters, rebu, 15.10.2015)

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