Projekt „Utzenaich“ zeigt, wie falsch die Förderungen in Österreich laufen

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Quelle: Unzensuriert

In Utzenaich wurde erfolgreich geforscht, den Nutzen hat eine deutsche Firma. Foto: Privat

In Utzenaich wurde erfolgreich geforscht, den Nutzen hat eine deutsche Firma.
Foto: Privat

Drei Milliarden Euro werden pro Jahr in österreichische Forschungsprojekte gesteckt. Das sollte uns eigentlich, glaubt man den Sonntagsreden der Politiker, Arbeitsplätze bescheren. Doch es herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Was passt da nicht zusammen? Unzensuriert.at hat sich einmal ein hochgefördertes Technologie-Forschungsprojekt angeschaut – die Grüne Bioraffinerie im Ort Utzenaich in Oberösterreich. Dort flossen Millionen an Fördergelder hinein, aber bis dato kam es zu keiner Produktion. Und was noch viel schlimmer ist: Den Nutzen hat jetzt eine ausländische Firma. Ein Unternehmer aus Dresden will bereits die dritte Bioraffinerie errichten.

Aus Gras wird Milchsäure

Wie kam es dazu? Angefangen hat alles sehr vielversprechend in der kleinen Innviertler Gemeinde Utzenaich, wo unter der Leitung von Horst Steinmüller vom Energieinstitut an der Johannes-Kepler-Universität Linz und in Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten eine innovative Demonstrationsanlage gebaut wurde. Künftig sollten aus dem Grünschnitt der Wiesen wertvolle Ausgangsstoffe für die Naturstoffchemie (Milchsäure, Aminosäure) gewonnen werden. Anschließend würde die Biomasse zu Energie in Form von Biosgas umgewandelt und in das öffentliche Gasnetz eingespeist. Die verbleibende Trockenmasse würde dann als natürlicher Dünger den Kreislauf schließen.

Ausland hat wirtschaftlichen Nutzen

Die großteils mit öffentlichen und EU-Geldern geförderte Demonstrationsanlage kostete 4,6 Millionen Euro und hat, wie das Infrastrukturministerium Unzensuriert.at mitteilte, „das Ziel in der Umsetzung von 2008 bis 2011 erreicht“. Mit anderen Worten: Das Forschungsprojekt war erfolgreich und Österreich gelang eine innovative Entwicklung. Doch hat Österreich auch davon profitiert? Welche Produkte werden hergestellt? Wie viele Arbeitsplätze geschaffen? Nach der erzielten Wertschöpfung gefragt, macht der Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber Josef Höckner, der von Anfang an bei diesem Projekt beteiligt war, keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Das ganze Know-How wurde in Österreich aufgebaut, das Ausland hat jetzt den wirtschaftlichen Nutzen.“

Wertschöpfung für Österreich

Projektleiter und Geldgeber sehen das anders und versuchen Erklärungen zu finden, warum es sich doch gelohnt hat, Millionen in diese Demonstrationsanlage zu stecken: „Die tiefen Energiepreise machen besonders den wichtigen Teil der Biogasgewinnung aus den Produktionsrückständen derzeit betriebswirtschaftlich schwierig, sodass bisher noch keine Großanlage gebaut wurde“, sagt Horst Steinmüller vom Energieinstitut. Seit Herbst 2014 bestehe jedoch ein in der Förderschiene Ecoinnovation der EU gefördertes Projekt unter der Leitung des Energieinstitutes an der JKU Linz, in dem die Marktführung im größeren Maßstab erfolgen soll. Das Infrastrukturministerium ergänzt: „Die tatsächliche Wertschöpfung in Österreich kann erst mit dem Ende des EU-Projekts und somit ab dem Vorliegen der marktreifen Technologie abgeschätzt werden.“

Deutscher Unternehmer macht Geschäft

Während in Österreich also noch weiter geforscht und Fördergeld „verbrannt“ wird, macht ein deutscher Unternehmer mit der Erfindung aus Österreich das große Geschäft und schafft Arbeitsplätze. Auf der Homepage der Firma Biofabrik mit Sitz in Dresden wird der Erfolg gefeiert:

Mit der Anlage 3 realisiert die Biofabrik nach erfolgreichem Betrieb des ersten Systems in Tschechien und einem grandiosen Funding der ersten deutschen Anlage per Crowdfunding ihr drittes Projekt.

Wie diese Firma zu den Rechten  des österreichischen Projektes kam, war nicht herauszufinden. Einheimische in Oberösterreich meinen, dass diese an die Deutschen verkauft wurden. Horst Steinmüller vom Energieinstitut sagt wiederum, dass nicht die Rechte des Verfahrens an die Firma Biofabrik verkauft wurden, sondern nur das bereits abgeschriebene Equipment. Und der Geschäftsführer der Biofabrik, Oliver Riedel, will dazu offenbar nichts sagen. Eine Mail von Unzensuriert.at lässt er seit Wochen unbeantwortet.

Wie auch immer – das Forschungsprojekt „Utzenaich“ hat einmal mehr deutlich gezeigt: Allein Forschungsergebnisse als Erfolg zu werten, wird in Zukunft nicht genügen. Ziel müsste viel mehr sein, am Ende Produkte und Arbeitsplätze zu schaffen.

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