Ametsreiter hinterlässt viele Baustellen

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Quelle: Der Standard

Der Chef der Telekom Austria, Hannes Ametsreiter, verlässt das Unternehmen – der mexikanische Co-Aktionär hat seinen Spielraum eingeschränkt

Wien – Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter verlässt Ende Juli überraschend das Unternehmen. Der langjährige Manager des teilstaatlichen Konzerns hat um eine einvernehmliche Vertragsauflösung ersucht. Sein Vertrag wäre bis Ende 2016 gelaufen.

Über seine Nachfolge soll der Aufsichtsrat in seiner kommenden Sitzung, voraussichtlich am 24. Juli, beraten. Der 48-jährige Ametsreiter war seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Telekom und zuvor bereits viele Jahre in der Gesellschafte tätig.

An der Telekom hält die Staatsholding Öbib 28,4 Prozent. Mehrheitlich gehört Telekom Austria (TA) dem mexikanischen Mobilfunkriesen América Móvil des Milliardärs Carlos Slim.

Über die Gründe des Abgangs von Ametsreiter werden offiziell keine Angaben gemacht. Insidern zufolge hätten sich die Zeiten unter den Mexikanern völlig geändert, „die neuen Mehrheitseigner wollen vorankommen, politische Abmachungen wie unter der ÖIAG gibt es nicht mehr“, analysiert ein TA-Experte. Aufsichtsratsmitglied Ronny Pecik habe mit Ametsreiter zudem „nie etwas anfangen können“ – dass sich die Ergebnisse der Gesellschaft zunehmend verschlechtern, habe dessen Abgang noch beschleunigt.

Im Vorstand der Telekom war die Stimmung zuletzt angeblich mehr als angespannt. „Die Mexikaner haben die Kontrolle voll übernommen“, es sei zu Schreiduellen im Vorstand gekommen, wird kolportiert. Ametsreiter wurden die zentralen Bereiche Marketing und Vertrieb abgenommen, ihm blieben nur noch Personal und Regulierung.

Der im März von den Mexikanern in den Vorstand entsandte Alejandro Plater nahm seine Kollegen zudem streng an die Kandare: Alle Rechnungen ab 100.000 Euro müssten von ihm unterschrieben werden, heißt es.

Lockerer Umgang

Was die neuen Mehrheitseigner Ametsreiter angeblich vorwerfen: In der TA werde zu locker mit Geld umgegangen. Sie sollen Ametsreiter auch Problemfälle aus der jüngeren Vergangenheit vorwerfen, etwa den Kauf der Orange-Diskonttochter yesss! um 390 Millionen Euro. Mitgekauft hat die Telekom damals, vor zwei Jahren, 500.000 Kunden, die meisten von ihnen hatte der Diskonter Hofer an Bord geholt.

Die Crux des Deals: Ende 2013 machte Hofer von seinem Kündigungsrecht Gebrauch und beendete per Ende 2014 den Vertriebsvertrag mit der Telekom. Auch das teure Abenteuer mit dem Wettgeschäft in der Telekom-Enkelgesellschaft Airwin soll den Mexikanern nicht gefallen haben. Airwin wurde im Juli 2011 gegründet; über die Plattform der Gesellschaft sollte der Einstieg der TA in Handy-Wetten und Online-Gaming erfolgen.

Rennmäuse

2013 war in einem Studio von Marx Media Vienna (an ihr war die TA beteiligt) bereits eine Rennbahn für afrikanische Rennmäuse aufgebaut, die Videos von den Rennen sollten online übertragen werden, die TA-Kunden per Handy auf die Sieger wetten. Im Juni 2013 allerdings wurde Airwin wieder verkauft, die Telekom schoss rund 4,5 Mio. Euro ins verlustreiche Start-up ein. Abseits dessen soll es auch bei Bilanzierungsthemen zu Differenzen zwischen den Österreichern und den Mexikanern gekommen sein. (Renate Graber, Claudia Ruff, DER STANDARD, 16.6.2015)

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