Österreichs Internet lahmt

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Quelle: Salzburger Nachrichten

Laut einer Studie wächst die Netzgeschwindigkeit in Österreich so langsam wie nirgends sonst in Europa. Vor allem für die heimische Wirtschaft könnte dies fatale Folgen haben.

Österreichs Internet lahmt

Österreich hat einen Knoten im Internetkabel – zumindest im übertragenen Sinn.

BILD: SN/FOTOLIA/CALADO

„Von allen Ländern weist Österreich die geringste Steigerungsrate bei schnellem Breitband auf.“ Oder an einer anderen Stelle, wo es um Europa, den Mittleren Osten und Afrika geht: „Österreich verzeichnete den geringsten Anstieg bei der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit.“ Der „State of the Internet“-Bericht der Netzwerkexperten von Akamai (Cambridge) zeichnet ein schlechtes Bild der heimischen Internetinfrastruktur. Im Gesamtranking liegt Österreich zwar immer noch auf Rang 24 und somit etwa fünf Plätze vor Deutschland. Doch als einziges Land im Spitzenfeld kann Österreich im Jahresvergleich keine nennenswerte Steigerung vermelden. Die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit legte nur um 3,9 Prozent zu. Parallel steigerte Deutschland seinen Wert um 15, die Schweiz (Platz fünf weltweit) um 21 Prozent.

Was die Studie bedeutet

„Die Studie bestätigt den Trend der vergangenen Jahre“, sagt Klaus Friesenbichler, Industrieökonom am Wifo. Die Erhebung sei ein Alarmsignal. Österreichs Internetnutzer müssen zwar nicht zittern, dass sie bald nicht mehr schnell surfen können. Es geht vielmehr um die Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaft: Sind die Bandbreiten zu gering, leidet die Wirtschaft. Auch die Wirtschaftskammer sieht die Ergebnisse der Studie als „besorgniserregend für den Technologie-Standort“.

Doch warum hechelt Österreich der Weltspitze hinterher? „In Österreich läuft nach wie vor viel über Kupferleitungen“, erläutert Friesenbichler. Nur Glasfaserkabel können aber das leisten, was weltweit gefordert wird. „Die führenden Länder haben eine entsprechende Breitbandpolitik schon Mitte der 90er umgesetzt.“ Ähnliches gelte für die weltweiten Spitzenreiter, Südkorea, Hong Kong und Japan. Auch die östlichen Nachbarn hätten Österreich mittlerweile den Rang abgelaufen, da sie „einen Schritt übersprungen und direkt auf Glasfaserkabel gesetzt haben“. Österreich müsse nun dringend nachziehen: „Seit 20 Jahren gibt es im Grunde keine Breitbandpolitik in unserem Land.“

Die Breitbandmilliarde als Heilsbringer?

Das zuständige Bundesministerium für Innovation und Technologie verweist auf die vielzitierte Breitbandmilliarde: Die Förderung soll dafür sorgen, dass es bis 2020 flächendeckend Internet mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit pro Sekunde gibt. Zum Vergleich: Die Akamai-Erhebung bescheinigt Österreich eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 9,8 Mbit/s. „Die Studie zeigt, wie wichtig die Breitbandmilliarde ist“, sagt Ministeriumssprecher Christoph Ertl. Vor wenigen Tagen seien die ersten Förderungen ausgeschrieben worden. Bei diesen wird aber darauf verwiesen, dass sie „technologieneutral“ sind, also jede Technologie gefördert wird. Dies nährt den Verdacht, dass vor allem der Mobilfunk profitieren könnte. „Ja, wir sind an sich technologieneutral“, erläutert Alfred Ruzicka, Leiter des Breitbandbüros. Durch die „Qualitätsanforderung“ sei das Ganze aber nicht neutral: „Das, was wir fordern, kann nur Glasfaser leisten.“

Wohl doch kein Rechenzentrum im Lungau

Das heißt aber nicht, dass es automatisch ein flächendeckendes Glasfaserkabelnetz geben wird: „Das würde bis zu acht Milliarden kosten.“ Andere Studien gehen von zwei bis vier Milliarden aus, die durch den Multiplikatoreneffekt erreicht werden könnten. „Bei vergleichbaren Programmen hat die freie Wirtschaft das Vierfache der Fördersumme zugeschossen“, sagt Wifo-Experte Friesenbichler. Dass dennoch in Regionen wie dem Lungau zeitnahe ein Rechenzentrum arbeiten könnte, glaubt der Ökonom nicht. Dafür bräuchte es mehrere Leitungen, etwa um Ausfällen vorzubeugen: „Solch eine Infrastruktur werden wir nicht mehr erleben.“ Breitbandbüro-Leiter Ruzicka ist ähnlicher Meinung: „In weniger dicht besiedelten Regionen wird es wohl stets Probleme geben. Sie stellen ja auch keine Fabrik mit Tausenden Mitarbeitern irgendwohin, wo es keine Arbeiter gibt.“

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